Auf Gullivers Spuren 9

9. Auf Gullivers Spuren

“Wenn Sie was von den beiden Herren hören, lassen Sie es mich bitte wissen.” (aus Manfred Bieler, Bonifaz oder der Matrose in der Flasche)

Nach einem überaus erholsamen Schlaf, wachten sie ein wenig verwirrt auf. Der Blick in den Himmel war nicht möglich. Eine Zeltwand stand ihnen im Weg. Sie hatten folglich den Sieg errungen, hatten das Zelt nicht umsonst über die Berge in die Schweiz geschleppt. Ja, sie waren schon tapfere Degen… Auch wenn sie innerlich viel zu aufgewühlt waren, als sie am Abend versucht hatten einzuschlafen. Bilder, die sie nicht mehr vergessen würden, hatten sich ihnen in die Netzhaut gebrannt. Und nachträglich wurde ihnen schlecht. Natürlich hätten sie sich eigentlich vor Angst schluchzend in den Armen liegen müssen. Doch es gibt da so bestimmte gesellschaftliche Normen, die sie nicht auch noch brechen wollten. So zogen sie es vor, jeder für sich die Angst still aus dem Körper zu schlottern.

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Erstellt am Montag 17. November 2008
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Scheiß´ auf´s Edelweiß! 8

Jetzt rutschte er wieder eine halbe Pobacke tiefer. Dabei hatte er sich noch nicht einmal bewegt. Er gab auf. Sollten sich doch die Geier an ihm letzen. Eine törichte Art zu sterben!

“Sag mal, soll ich Dir helfen?”, klang es vom jenseitigen Ufer des Styx. Irritiert blickte Robert nach links. Da war noch eine Welt der Lebenden, stellte er enthusiastisch fest. Martin war der Probleme endlich gewahr geworden. “Na, komm, ich nehme Deinen Rucksack!” Sprachs und lief mir nichts, dir nichts ohne den Hauch einer Unsicherheit aufrecht zum Schnee-Post-it Robert. Der gab seinen Rucksack ohne größere Komplikationen gern ab, stand auf und lief eilig hinter Martin her, der den Rucksack hinter sich her zog wie einen kackenden Bernhardiner-Rüden.

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Erstellt am Freitag 31. Oktober 2008
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Aftersausen à gogo 7

Ermattet sahen alle zu, in Erwartung eines heiligen Wutausbruchs, wie Robert sich auf den Boden setzte. Doch da verblüffte er alle. Klar, das Auf und Ab der Sohle erzählte eine trübe Mär vom Ende der Reise. Trotzdem hielt er sich zurück. Denn was sollte er auch tun?

Aus einer Seitentasche seines 30-kg-Rucksacks ließ er sich fünf sehr wichtige Gramm geben. Endlich würden die Ersatz-Kompressionsriemen ihren Einsatz finden. Eigentlich hatte er sie eingepackt, falls er mal etwas am Rucksack befestigen wollte. Da hatte er an Bergkäse, hübsche Bergbäuerinnen oder Bergkristalle gedacht. Nun konnte er seinen letzten Trumpf ausspielen. Die beiden Holländer sahen mit regem Interesse zu, wie der sockengesichtige Deutsche gleichmütig einen Kompressionsriemen um seine Hacke band, fest daran zog und wieder ein fast tadelloses Schuhwerk vorweisen konnte.

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Erstellt am Donnerstag 9. Oktober 2008
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Auf die holländische Tour 6

Ein wenig verdattert ging Robert mit. Was konnte Martin wollen? Er lächelte bedeutungsschwanger. Nein, nicht so richtig bedeutungsschwanger, eher irre und gehetzt.

“Schau Dir mal unseren weiteren Weg an!”, forderte er, als sie hinter die Hütte traten.

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Erstellt am Donnerstag 9. Oktober 2008
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Das Glück wendet sich 5

Als man ihn umdrehte, sah man, daß er sich nicht lange gequält haben konnte - sein Gesicht hatte so einen gefaßten Ausdruck, als wäre er beinahe zufrieden damit, daß es so gekommen war. (aus Erich Maria Remarque, Im Westen nichts Neues)

Sie hatten sich kaum an dem Ausblick satt gesehen, als sie einen Blick auf den Gipfel des Schesaplana wagten. Hier konnten sie nun allem die Krone aufsetzen, den nicht mehr weit entfernten Gipfel stürmen. Geradezu andächtig trafen sich ihre Blicke.

“Da hoch muß ich aber nicht auch noch…”, bemerkte Robert vorsichtig, sich der jammervollen Kondition seines Freundes noch nicht so ganz sicher.

“Nee, ich auch nicht!”, erwiderte dieser.

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Erstellt am Montag 8. September 2008
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Im Schatten des Schesaplana 4

Ein lautes Scharren und Poltern weckte sie in ihrem lauschigen Zwölfpersonenzimmer. Unverbesserliche Frühaufsteher unter den Gästen packten ihre Siebensachen zusammen und drängten zum Frühstück. Zuerst machte sie das kaum neidisch. Zu sehr kämpften sie gegen ihre übersäuerten Muskeln, von denen sie teilweise bis jetzt nicht den Anschein einer Ahnung hatten, wie sie in ihren Körper gelangt waren.

Große Gefechte lieferten sie alsbald auch auf dem Schlachtfeld der Morgentoilette. Eisblockheißes Wasser versuchte ihnen garstig die Poren zu schließen, doch dank der hehren Kampfeskunst und eleganter Ausweichmanöver gelang es ihnen, schlimmeres zu vermeiden.

Doch etwas erschöpft und angeschlagen in gezwungen aufrechter Position zu Tische liegend, gewahrten sie folgendes Gespräch.

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Erstellt am Sonntag 7. September 2008
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Auffi Buam! 3

Plötzlich zog Nebel auf. Ein dramatischer Nebel, unvermittelt, undurchdringlich. Ein Nebel wie in London. Genauer gesagt, wie London im Sommer. Dicht, kohlenmonoxydreich und warm… Das Plätschern eines Wasserhahns drang an Martins Ohr… Erstaunt blickte er sich um und riet dem übelriechenden, bärtigen Polarkreis-Saunaaufguß doch mal ein frisches Hemd anzuziehen. Martin wandte sich angewidert ab. Vor dem Frühstück brauchte er sowas nicht, nein.

Robert, der aus allen Poren dampfte, daß James Watt dadurch an einem Dauer-Orgasmus verschieden wäre, legte sich eine neue Kombination aus T-Shirt und Hemd an und trocknete die alte in der Sonne des Lünersees. Geschützt vor fremden Blicken durch eine kleine Steinhütte, geschützt vor Fliegen durch ein mockiges T-Shirt, das auf der Fensterbank der Steinhütte ausdampfte und geschützt vor Spontan-Kannibalismus durch ein paar zünftige Stullen, gaben sie ihr gekränktes Gebein einer ausgedehnten Pause hin.

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Erstellt am Mittwoch 3. September 2008
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Das schlimmste endlich hinter sich 2

Durch die Büsche und Hecken drang nur noch gedämpfter Straßenlärm zu ihnen vor. Ab und zu flanierten lustig gestimmte Grüppchen und Pärchen über die nahe Fußgängerbrücke.

Zu deren Füßen lagerten die beiden Stragtegen nun in schützende Schlafsäcke gehüllt. Wenn oben auf der Brücke etwas zu hören war, lagen sie besonders still, hatte das sumpfige Licht aus gelblichtiger Hauptstraßenbeleuchtung und weißem Bahnhofslicht doch ihre Konturen erfaßt. Sie hatten sich einen der lauschigeren Plätze Lindaus für die Nacht ausgesucht: den Fußweg zwischen Gleiskörper und Dornengebüsch am Auto-Verladebahnhof.

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Erstellt am Samstag 23. August 2008
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Drei Höllenhunde auf dem Weg zum Himmel 1

Unterwegs im Schesaplana-Massiv. Eine Rucksack-Tour, wie man sie nicht machen sollte…

Text und Fotos: Robert Freriks

Fotos und Texte: Martin Weber

Fototexte: Reiner Macallan

1. Vollmond über Köln …

Erstellt am Donnerstag 21. August 2008
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